Erfa-Stammtisch am Donnerstag, 24. September 2026, 8-9 Uhr zum Thema «Digitaler Brief»

Erfahrungen, Chancen und Herausforderungen

Mit dem neuen Gesetz zur Grundversorgung gewinnt die digitale Kommunikation zwischen Behörden, Bevölkerung und Unternehmen weiter an Bedeutung. Der digitale Brief soll die Grundlage für einen sicheren, medienbruchfreien und effizienten Austausch von Informationen bilden. Im Erfahrungsaustausch wollen wir uns darum um die praktische Umsetzung kümmern.
 

Meeting notes

Erfa-Rückblick

Erfa-Stammtisch, 24. September 2026, zum Thema «Digitaler Brief»

Digitaler Brief: Vom Knopfdruck bis in den Briefkasten

Rückblick auf den Erfa-Stammtisch vom 24. September 2026

800 Wasserrechnungen. Früher hiess das für Claudia Erne: ein Wochenende am Küchentisch, falten, kuvertieren, frankieren. Heute drückt die Leiterin Finanzen der Gemeinde Tegerfelden auf einen Button, und der Versand ist erledigt. Mit diesem Bild aus dem Alltag einer kleinen Aargauer Gemeinde war am Erfa-Stammtisch von Myni Gmeind schnell klar, worum es beim digitalen Brief wirklich geht: um Zeit, die in der Verwaltung an anderer Stelle fehlt.

Seit April gelten neue Spielregeln

Den Rahmen steckte Florian Wirz ab, Leiter Verkauf bei der Post CH Digital Services AG. Seit dem 1. April 2026 ist die Teilrevision der Postverordnung in Kraft. Die digitale Zustellung gehört damit zur postalischen Grundversorgung, und Behörden erhalten einen offiziellen digitalen Kanal. Das Prinzip ist einfach: Die Gemeinde liefert ihre Briefe digital ein, über eine Weboberfläche oder eine Schnittstelle. Wer als Empfängerin oder Empfänger den digitalen Posteingang gewählt hat, erhält den Brief dort. Alle anderen finden ihn wie gewohnt im Briefkasten, gedruckt und zugestellt durch die Post. Die Bevölkerung entscheidet also selbst.

Florian Wirz betonte, dass das Briefgeheimnis auch digital gilt, die Daten ausschliesslich in der Schweiz verarbeitet werden und Zustell-, Abruf- und Nichtabrufbestätigungen ähnlich wie ein digitales Einschreiben funktionieren. In einer kurzen Demo zeigte er zudem, wie der Einstieg mit «SmartSend» aussieht.

Aus der Praxis: 40 Prozent dual

Wie das im Gemeindealltag aussieht, erzählte Claudia Erne. Sie arbeitet mit einem 50-Prozent-Pensum und führt die Finanzverwaltung in Tegerfelden allein. Seit einigen Jahren nutzt die Gemeinde den BriefButler, direkt angebunden an ihre Gemeindesoftware von Hürlimann Informatik. Besonders überzeugt sie die duale Zustellung: Registrierte Einwohnerinnen und Einwohner erhalten ihre Rechnung per E-Mail. Wird sie innert drei Tagen nicht geöffnet, geht automatisch ein Papierbrief raus. «Das Dokument geht nicht verloren», so Claudia Erne. Inzwischen verschickt Tegerfelden rund 40 Prozent aller Rechnungen auf diesem Weg, die jährlichen Rechnungen an Hundehalterinnen und Hundehalter sogar ausschliesslich. Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger werden direkt am Schalter gefragt, ob sie mitmachen wollen.

Ergänzt wurde das Bild durch ein aufgezeichnetes Interview von Alex Sollberger mit Mike Siegenthaler, Leiter ICT der Gemeindeverwaltung Küsnacht. Das vollständige Video finden Sie weiter unten. Im Partner-Spotlight wurden auf Lösungen der Baumer AG und der CMI verweisen.

Der Chat lief heiss

Wie gross das Interesse ist, zeigte der Chat. Die Fragen gingen tief in die Praxis: Beginnt die Rechtsmittelfrist mit der digitalen Zustellung? Wer unterschreibt Verfügungen, die ein Druckpartner verschickt? Liest dieser womöglich mit? Wie klappt die Integration in Fachsysteme wie CMI, Innosolv oder Abacus, und wie spielt das Ganze mit eBill zusammen? Viele dieser Fragen entstehen erst bei der konkreten Umsetzung. Deshalb lohnt sich ein Blick in die FAQ von ePost und die Diskussion im neuen Myni Gmeind Forum, wo der Austausch weitergeht.

Fazit

Der Stammtisch hat gezeigt, dass zwei Dinge zusammenkommen müssen: Die Post liefert mit dem digitalen Brief das Fundament, auf das sich Gemeinden verlassen können. Claudia Erne beweist, dass gerade kleine Verwaltungen mit knappen Ressourcen am meisten davon profitieren. Die Frage ist also nicht mehr, ob sich der Schritt lohnt, sondern wie man ihn am klügsten angeht. Die vielen Fragen im Chat machen deutlich: Das Interesse ist gross, die Unsicherheit im Detail auch. Genau hier hilft der Austausch unter den Gemeinden.

Herzlichen Dank

Ein grosses Dankeschön an Florian Wirz, Claudia Erne und Mike Siegenthaler für ihre offenen Einblicke, an Thomas Egger, Direktor Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), für die Moderation, und an alle Teilnehmenden für die vielen engagierten Fragen.

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